de

Was ist AML?

Die akute myeloische Leukämie (AML) ist eine aggressive bösartige Erkrankung unreifer, aus dem Knochenmark stammender myeloischer Zellen. Sie ist die häufigste Form der akuten Leukämie bei Erwachsenen und verursacht weltweit jährlich mehr als 80.000 Todesfälle. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterteilt die AML in 22 Subtypen, die sich hinsichtlich Prognose und Behandlung unterscheiden. Die AML geht mit einer großen Vielfalt an klinischen Erscheinungsbildern, morphologischen Merkmalen, Immunphänotypen und genetischen Veränderungen einher. Daher erfordert die genaue Diagnose und Klassifikation der AML die Integration von Morphologie, Immunphänotypisierung, Zytogenetik und Molekulargenetik. Diese Methoden werden gemeinsam zur Klassifikation, zur prognostischen Risikoeinschätzung, zur Auswahl der Therapie und zur Verlaufs- bzw. Krankheitsüberwachung eingesetzt.

Diagnostische Abklärung der AML

Die diagnostische Abklärung einer AML umfasst die Zusammenführung von Anamnese, klinischem Erscheinungsbild, Laborbefunden und spezialisierten pathologischen Untersuchungen. Dazu gehören die morphologische Beurteilung des Knochenmarkaspirats, der Knochenmarkbiopsie und des peripheren Blutausstrichs sowie die Immunphänotypisierung, zytogenetische Untersuchungen und die molekulare Analyse von Mutationen.

Abb. 1: Diagnostische Abklärung der akuten myeloischen Leukämie

Zu den wesentlichen Diagnosekriterien gehört eine Blastenzahl von mindestens 20% im Knochenmark oder im peripheren Blut oder der Nachweis bestimmter zytogenetischer Veränderungen, unabhängig vom Blastenanteil. Zu diesen Veränderungen gehören balancierte Translokationen, Genfusionen oder bestimmte molekulargenetische Mutationen.

Dementsprechend werden die AML-Subtypen in der 5. Ausgabe der WHO-Klassifikation in die Kategorien „AML mit definierenden genetischen Veränderungen“ oder „AML, definiert durch Differenzierung“ eingeteilt. Eine Ausnahme stellt das myeloische Sarkom dar. Dabei handelt es sich um eine Tumormasse, die an jeder anatomischen Stelle außerhalb des Knochenmarks auftreten kann und aus myeloischen Blasten besteht.

Abb. 2: WHO-Klassifikation der AML-Subtypen von 2023

AML-Risikogruppen

Die Leitlinien des European LeukemiaNet (ELN) von 2022 unterteilen die AML auf Grundlage der bei der Erstdiagnose erhobenen genetischen Befunde in drei prognostische Risikogruppen: günstig, intermediär und ungünstig. Eine genaue prognostische Einschätzung ist von zentraler Bedeutung für die Behandlung der AML, da sie die Therapieentscheidungen beeinflusst, einschließlich der Wahl zwischen Standardtherapie und intensiveren Therapieansätzen.

Tabelle 1: ELN-Risikoklassifikation von 2022 und Nachweismethoden für genetische Veränderungen

Rolle der FISH in der AML-Diagnostik

FISH (Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung) ergänzt die konventionelle Karyotypisierung. Sie ist insbesondere dann von Bedeutung, wenn chromosomale Veränderungen kryptisch oder nur gering ausgeprägt sind oder wenn nicht genügend Metaphasen zur Verfügung stehen.

Mit FISH lassen sich AML-definierende Rearrangements wie RUNX1::RUNX1T1, CBFB::MYH11, PML::RARA und KMT2A-Rearrangements sowie häufige chromosomale Veränderungen wie -5/5q, -7/7q und del(17p) schnell nachweisen. Diese Befunde beeinflussen die Klassifikation der AML, die Prognoseeinschätzung und die Auswahl der Therapie.

Referenzen

DiNardo CD, et al. 2023

Döhner H, et al. 2022

Narayanan D & Weinberg OK 2020

Pelcovits A & Niroula R 2013

Shimony S, et al. 2025

Short NJ, et al. 2018

Weinberg OK, et al. 2023

WHO Classification of Tumours of Haematopoietic and Lymphoid Tissues, 5th Edition (2023)

Please select your region

Selecting your region and language ensures you receive the corresponding product portfolio and contact details.

Country / Region

Language